Rich Media, poor Democracy?

In Zusammenarbeit mit der Landesanstalt für Rundfunk in Nordrhein-Westfalen


Die Medien in den USA sind nicht die vierte, sondern die erste Gewalt im Staat – so knapp kann die Kernaussage des aktuellen Buches „Rich Media, Poor Democracy“ von Robert McChesney beschrieben werden.
Seine Argumentation: Die Macht der großen Medienkonzerne fuße nicht nur auf ihrer finanziellen Stärke. Ihre Macht, die durch keine demokratische Entscheidung legitimiert ist, liege vor allen Dingen an ihrem allumfassenden Zugang zur Öffentlichkeit.
Tatsächlich ist festzustellen, dass in den USA wie in Europa die Medienkonzerne in den letzten Monaten durch Zukäufe, Fusionen und Kooperationen noch größer und diversifizierter geworden sind. Auch das Internet, bis vor kurzem noch als das demokratische Medium schlechthin bejubelt, als Medium, in dem jeder Zugang zur (Welt-)Öffentlichkeit erhält, ist längst eingebunden in die Strategien der großen Konzerne – die damit ihre Macht- und Einflusssphäre weiter ausgebaut haben. Diese integrierte Medienindustrie bildet einen neuen publizistisch-technologischen Komplex, der von der Gesellschaft – und den Politikern als deren Stellvertretern – nicht mehr gestalt- oder gar kontrollierbar ist. Wie auch, sind sie doch auf das Interesse und die Gunst der Medien angewiesen wie niemand sonst.
Die Entwicklung hat besonders starke Auswirkungen auf den Journalismus, auf die politische Berichterstattung. Walter Cronkite, einer der profiliertesten US-Fernsehjournalisten, beklagt: »Our bigcorporate owners, infected with the greed that marks the end of the 20th century, stretch constantly for ever-increasing profit, condemning quality to take the hindmost. They are compromising journalistic integrity in the mad scramble for ratings and circulation.«
Auch für das kommerzielle Fernsehen ist Journalismus nicht mehr nur das ungeliebte, weil teure und unprofitable Kind. Ganz im Gegenteil, nach »n-24« von Pro 7 plant auch RTL einen Nachrichtenkanal; die jüngsten Polit-Skandale in Deutschland haben den Nachrichtensendungen und politischen Talk-Shows hohe Einschaltquoten eingebracht, ganz zu schweigen von Sondersendungen und langen Live-Übertragungen wie z.B. bei Phoenix. Dieser Sender beschränkt sich auf die Wirklichkeit; andere dagegen setzen auf die ausgefeilte Inszenierung, in freiwilliger oder unfreiwilliger Zusammenarbeit mit den Kommunikationsstäben und Beratern von Politikern. Wie sieht die Zukunft des politischen Journalismus aus im Geflecht von Medienkonzernen, ihren Profiterwartungen und von den Medien abhängigen und wiederum auf sie einwirkenden Politikern? Wie unabhängig müssen Medien organisiert sein, um unabhängigen Journalismus zu gewährleisten?

Moderation: Judith Schulte-Loh, WDR, Köln

14.00Uhr–14.30Uhr, Rich Media, poor Democracy?
Keynote
Prof. Dr. Robert McChesney,
 University of Illinois

14.30Uhr–15.30Uhr, Siegt das Mediensystem über die Politik?
Einführung: Prof. Dr. Klaus Schönbach, Universität Amsterdam
Statements:

Jürgen Krönig
, Die Zeit, London
Dirk Kurbjuweit
, Der Spiegel, Berlin
Benjamin Mikfeld, 
SPD-Parteivorstand und Juso-Bundesvorsitzender, Berlin

15.30Uhr–16.00Uhr, Kaffeepause

16.00Uhr–17.00Uhr, Nichts ist spannender als die Wirklichkeit. Die Inszenierung von Politik im Fernsehen
Statements und Podium
Bettina Gaus, Autorin, Berlin
Jochen Keinath,
 Senior Vice President Sheinkopf Communications, New York/ Berlin
Wolfgang Klein
, Redaktionsleiter »Christiansen«, Berlin
Tony Maddox
, Vice President and Managing Editor Europa, Naher Osten und Afrika, CNN International, London
Dr. Klaus Radke, Geschäftsführer Phoenix, Köln

17.00Uhr–18.00Uhr, Unabhängiges Fernsehen – unabhängige Berichterstattung: Die Zukunft des TV-Journalismus
Dr. Helmut Brandstätter
, Chefredakteur und Geschäftsführer Programm n-tv, Berlin
Nikolaus Brender, Chefredakteur ZDF, Mainz
Prof. Dr. Robert McChesney, University of Illinois
Prof. Dr. Siegfried Weischenberg
, Vorsitzender DJV, Münster/Bonn